Radio Oehrlie in der Presse! |
| Posted by Sylvie (sylvi) on 20.06.2009 |
Radio Oehrlie in den Lokalnachrichten der Günzburger Zeitung vom 20.06.2009 !
Siggi sendet aus der Werkstatt
Von Katja Belitz

Günzburg Vorhang zu. Kopfhörer auf. Und los geht·s: Ruckzuck wird aus der Günzburger Autowerkstatt von Siegfried Frey ein Studio. Wo eben noch Reifen gewechselt wurden, wo die ganze Wand voller Zangen, Schraubenschlüssel und Kabel hängt, wird jetzt Musik gemacht. Radio Oehrlie heißt der Internetsender, den der Kfz-Meister Frey hier seit einigen Monaten betreibt. Manchmal bis zu neun Stunden am Abend. „Es ist mein Hobby“, sagt der 47-Jährige. Dafür setzt er sich schon mal mit einem Tiroler Hut auf dem Kopf vor den blauen Vorhang in die kleine Ecke seines Werkstattbüros. Die Webcam läuft schließlich mit.
Und Moderator Siggi hat sich für diesen Abend wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Volksmusik steht auf dem Programm - nicht unbedingt oft gespielt bei Radio Oehrlie. Es sei auch nicht ganz so ernst gemeint, wie Siegfried Frey zugibt. Aber Spaß soll mit dabei sein, ist wichtig für die Hörer und den Moderator selbst.
64 000 Songs im Archiv
Während der Günzburger die volkstümlich angeordneten Trompeten- und Akkordeonklänge in die Welt hinausschickt, blickt er immer wieder prüfend auf die beiden Bildschirme hinter dem Tresen seines Werkstattbüros. Läuft alles? Hat noch jemand online einen Musikwunsch bestellt? Dann sucht er nach dem Titel in seinem 312 Gigabyte großen Archiv. Über 64 000 Lieder hat Frey zurzeit im Repertoire.
Die Fangemeinde schätzt seine Leidenschaft. Etwa 30 Hörer zählen inzwischen regelmäßig dazu. Sie wohnen in Günzburg, Hamburg oder irgendwo mitten in Deutschland, aber auch in Österreich und den Niederlanden. Zehn von ihnen moderieren selber stundenweise am Abend. Ansonsten wird im Internet kommuniziert über das Forum von Radio Oehrlie oder im Chat. Manchmal greifen sie auch zum Telefonhörer, wenn einer von ihnen ein technisches Problem hat. „Es geht sehr familiär zu“, sagt Frey. Wenn er wieder einmal einen Moderationsmarathon hinlegt, freut sich die Community.
So kam es schon vor, dass ihm ein Hörer aus Wilhelmshaven eine Pizza vorbei geschickt hat, online bestellt beim nahegelegenen Italiener in Günzburg. Außerdem haben sich im Werkstattbüro schon jede Menge Plüschtier-Esel angesammelt. Der Esel Oehrlie ist schließlich das Markenzeichen des Radios. Frey hatte das Tier schon zu seinem Maskottchen gemacht, als er noch bei einem anderen Online-Radiosender moderierte.
Seitdem gibt Siggi, wie er sich als Moderator nennt, viel Geld für sein Hobby aus. Unter anderem müssen Gebühren bezahlt werden. Werbung gibt es bei Radio Oehrlie nicht. Die Moderatoren, die am Abend ihre Sendungen gestalten, verdienen auch kein Geld.
Vormittags läuft ein Autostream ohne Moderation. „Der Server steht in Berlin und von da aus wird die Musik für den Autostream gemischt“, erklärt Frey. Er weiß, dass in dem jungen Sender noch viel Potenzial steckt: „Vormittags könnte zum Beispiel jemand eine Art Frühstücksradio machen. Ich bin da für alles offen.“ Deshalb ist Frey auch immer auf der Suche nach Moderatoren und Leuten, die Spaß daran haben, beim Radio mitzumachen. Er hat noch viele Ideen, dem 47-Jährigen ist aber auch klar: „Je größer das Radio wird, desto mehr Aufwand entsteht“.
Doch Siegfried Frey ist ohnehin mit viel Einsatz dabei. Von Discofox über Oldies spielt er alles. Wenn sein elfjähriger Sohn Matthias Musik über den Server schickt, ist eher Hip-Hop und Rap angesagt. Für ihn geht jetzt aber erst einmal die Schule vor. Als er gefragt wird, was sein Papa so auflegt, kann er sich das Grinsen kaum verkneifen. „Sie nennen ihn Schnulzensiggi“, sagt er. Es hilft nichts: Der Moderator spielt eben, was gewünscht wird.
Auch der ältere Sohn Christian gestaltet bis zu drei Mal in der Woche eine Sendung. Sonst arbeitet der 21-Jährige in der Autowerkstatt mit, ist wie Vater Siegfried hauptberuflich damit beschäftigt, Autos zu reparieren.
Webcam filmt den Meister bei der Arbeit am Auto
Wenn die Kunden tagsüber ihren Wagen in die Werkstatt bringen, dürften sie kaum etwas bemerken von Radio Oehrlie. Dann ist kein blauer Vorhang zu sehen, die Kopfhörer liegen weit weg und die Musik ist nur sehr leise zu hören.
Dabei profitieren auch die Werkstattbesucher von Freys Hobby: Über eine zweite Webcam können sie ab und zu live verfolgen, was genau mit ihrem Auto in der Werkstatt geschieht. Die Kamera läuft, während Frey die Wagen repariert.
19.06.2009 18:50 Uhr
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Last changed: 20.06.2009 at 09:38
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